Kontakt in die Welt als Patenkind im Internet
Hier: Artikel in den Osnabrücker Nachrichten am Sonntag, 19. 10. 97
Mit freundlicher Genehmigung von J. Lintel, ON.

 

1. Grundschule im Internet: Elisabeth-Schüler schicken elektronische Post nach Schanghai

Mit Stäbchen essen ist auch Sport

Osnabrück (jel) - Wie groß sind die Chinesen? Warum essen sie mit Stäbchen? Wie lang ist die chinesische Mauer? Gibt es in China auch Herbstferien?
Das sind die Fragen, die 9- und 10jährigen Osnabrückern auf den Nägeln brennen, wenn sie Brieffreunde in China haben. An der Elisabeth-Grundschule steht die Pflege von Briefkontakten ins ferne Asien jetzt sogar auf dem Stundenplan: allerdings per „e-mail", der elektronischen Internet-Post. Die katholische Schule ist die 1. Grundschule in Osnabrück, an der schon die ganz Kleinen mit dem weltumspannenden Datennetz vertraut gemacht werden.
Die Schule wird zwar erst während der laufenden Herbstferien über das Förderprojekt „Schulen ans Netz" (ON berichtete) des Bundesforschungsministers und der Telekom mit dem erforderlichen Internet-Anschluß ausgestattet, dennoch löchern 25 Schüler aus der Klasse 4b bereits jetzt eine Frau Dr. Xu im über 10.000 km entfernten Schanghai mit Fragen.
Das verdanken sie einem glücklichen Zufall: Im Keller der Elisabeth-Schule logiert das Forschungsinstitut für Mathematikdidaktik. Leiterin Prof. Dr. Inge Schwank, Ehrenprofessorin in Schanghai und Mutter einer Elisabeth-Schülerin, hat bereits eine Computer-AG an der Schule aufgebaut, jetzt ebnet sie den Kids den Weg ins Internet.
In der vergangenen Woche haben die Schüler der 4b ihre ersten Briefe an Bin Yan Xu in den Computer getippt. Mit Spannung fieberte die Klasse den Antworten der Wissenschaftlerin aus Schanghai entgegen, die 1994 in Osnabrück promovierte und deswegen auch auf deutsch schreibt. Ihre „e-mails" trafen über Nacht ein: „Die Chinesen werden immer größer", so ihre Antwort auf die Frage von Carl-Philipp. „Stäbchen zu benutzen, ist auch ein Sport", bekam Anne zu hören, die von Frau Dr. Xu prompt eingeladen wurde, bei ihr den Umgang mit asiatischem Eßwerkzeug zu erlernen.
Höhere sprachliche Hürden kommen auf die Osnabrücker Kids zu, wenn sie ab November Gleichaltrige einer von Dr. Xu betreuten Schanghaier Grundschule übers Internet kennenlernen: Dann sollen „e-mails" auf englisch und sogar auf chinesisch ausgetauscht werden. Englisch können die meisten Elisabethschüler, da sie - freiwillig - in AGs der Schule bereits ihre ersten Vokabeln lernen. Und für die Übersetzungen der chinesischen Schriftzeichen gibt es einen Experten: 9 Jahre ist er alt, der kleine Yue Yu, Viertklässler an der Elisabethschule.
Schulleiterin Renate Brehmer und Prof. Dr. Inge Schwank sehen in dem Projekt, das mit einem Besuch von Dr. Xu und des Präsidenten der renommierten East China Normal University im November offiziell eröffnet wird, einen wichtigen Schritt, Schülern den Umgang mit Computern und dem Internet näher zu bringen. Vor allem steht für sie im Vordergrund, daß das Projekt den Sachkundeunterricht zum Thema „Post" um die neueste Technologie ergänze, daß es Gelegenheit gebe, bereits erlerntes Englisch auszuprobieren und über den Umgang mit Chinesisch ein weiteres Sprachverständnis vermittele. Außerdem, und das liegt der an der Uni Osnabrück unterrichtenden Dozentin Schwank besonders am Herzen, helfe es, Mädchen an die Computer zu bringen.

 

Foto Schüler, Foto Gruppe, Pressestimmen

 

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Letzte Änderung:08/06/98

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